Kultur

Immer weitermachen. Wohin kann uns unsere Baugeschichte führen?

Jakob K. / FARBEN | Jakob K.ollektiv

Der Hamburger Architektur Sommer startet im Mai mit einem bunten Programm. Über drei Monate können sich Interessierte mit Architektur, die in den unterschiedlichsten Formaten vorgestellt wird, befassen.

Wir begegnen ihm jeden Tag, nutzen ihn, fürchten ihn, verbinden die schönsten und eigenartigsten Geschichten mit ihm und gleichzeitig ist er so selbstverständlich, dass wir ihn nur in besonderen Momenten wahrnehmen. Der gebaute Raum. Mal ist es die Einöde der eigenen Wohnung, der wir mit neuen Mitbewohnern versuchen zu entkommen, mal ist es diese eine ungemütliche Unterführung, durch die wir eilen. Mal ist es die Geschosshöhe, die uns ganz klein werden lässt, mal ist es die Oberflächenstruktur der Fassade, auf der die Farbe der Spraydose besonders gut zur Wirkung kommt. Mal sind es die Ausblicke aus der 17. Etage Richtung Innenstadt, mal sind es auch einfach die großen Gesten von Bauten, vor denen wir uns mit einem Selfie auf Instagram inszenieren. Wir erfahren und erleben den gebauten Raum ganz individuell und beginnen ihn erst zu hinterfragen, wenn wir an seine Schranken stoßen. Um auf die baulichen Veränderungen und bestehenden Diskurse in Hamburg aufmerksam zu machen und damit neue Denkräume zu eröffnen, wurde vor 25 Jahren der Hamburger Architektur Sommer ins Leben gerufen. Drei Monate lang haben Architekturinteressierte Zeit, sich mit den gebauten Räumen auf den unterschiedlichsten Ebenen auseinanderzusetzen.

FOLLOWER – female follows form von Simone Kessler und Edward Beierle
FOLLOWER – female follows form von Simone Kessler und Edward Beierle

Ausgang offen – Moderne mit Zukunft?

Mit dem interpretierbaren Titel Ausgang offen – Moderne mit Zukunft? widmet sich die diesjährige neunte Ausgabe des Architektur Sommers der Hamburger Baukultur und knüpft zudem an das 100-jährige Bauhaus Jubiläum an. Seit seiner Gründung 1994, findet der Architektur Sommer alle drei Jahre in Hamburg statt. Die verschiedensten Akteurinnen und Akteure aus Planung, Kunst und Vermittlung beschäftigen sich mit architektonischen und gesellschaftsrelevanten Themen und präsentieren Interessierten dabei vielfältige Veranstaltungsformate. Senatorin Dr. Dorothee Stapelfeldt spricht von 2019 als dem Jahr der Superlative: „Nicht nur jährt sich der Architektur Sommer zum 25sten Mal. Genauso gilt es, die Rolle zu feiern, die Hamburg in der Rezeption und in der Prägung des Bauhauses gespielt hat – jener international berühmtesten deutschen Kunst-, Design- und Architekturschule, die in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden wäre.“ Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden die Grafiker und Maler Fritz Schleifer und Kurt Kranz sowie der Architekt Gustav Hassenpflug eine neue Heimat in Hamburg und gaben ihr Wissen, das sie u.a. am Bauhaus erlernt haben, an der ehemaligen Landeskunstschule, der heutigen HfbK weiter.

Mit dem Bauhaus Jubiläum kommen in diesem Jahr weitere Veranstaltungsformate hinzu, die laut Prof. Dr. Andreas Hoffmann, Geschäftsführer des Bucerius Kunst Forums, den Architektur Sommer bunter, vielschichtiger und vielfältiger machen. Filme, Performances, Design und Handwerk bereichern das bestehende Programm auf über 250 Veranstaltungen und eröffnen damit neue Blickwinkel auf den gebauten Raum. 

Die Neue Heimat (1950–1986). Eine sozialdemokratische Utopie und ihre Bauten
Die Neue Heimat (1950–1986). Eine sozialdemokratische Utopie und ihre Bauten

Frau Architekt – die Ausstellung wandert nach Hamburg

Dennoch findet man auch die klassischen Ausstellungsformate wieder: Sei es die Geschichte des Wohnungsbaus in Altona, die noch bis Anfang Juni im Altonaer Museum zu sehen ist, die Kunst der 20er Jahre im Bucerius Kunst Forum, die schon am 16. Mai endet oder die bekannte Ausstellung aus dem Deutschen Architektur Museum in Frankfurt Frau Architekt im Museum der Arbeit (15.06.-08.09.). Die Themenfelder sind vielfältig und bieten insbesondere auch in den OFF-Spaces spannende künstlerische Auseinandersetzungen mit Architektur und der Moderne. So beschäftigen sich junge Künstlerinnen und Künstler in der Ausstellung Neue Einheit mit der Idee des Bauhauses in der Galerie linksrechts im Gängeviertel (16.06.-29.06.). In der Frappant Galerie werden künstlerische Positionen versammelt, die sich kritisch mit der Architektur, dem Bauen und der Aneignung von Räumen auseinandersetzen. Like a House on Fire heißt die Ausstellung und läuft vom 25.05. bis 02.06.. Im Kraftwerk Bille finden gebündelt zehn Tage lang unterschiedliche Ausstellungen, Workshops, Rundgänge und Performances statt (20.06.-30.06.).   

City-Hof, An- & Einblicke (Termin: 14.6.–27.6) | © Nicole Keller & Oliver Schumacher
City-Hof, An- & Einblicke | © Nicole Keller & Oliver Schumacher

Hamburg entdecken: zu Fuß, auf dem Rad oder vom Boot aus

Wer lieber gemeinsam mit Expertinnen den Stadtraum erkunden möchte, der wird sicherlich bei den zahlreichen Stadtführungen fündig. Von Urban Art Touren in Harburg, über Bus- und Radtouren bis zur Hafenrundfahrt, die einen Blick auf die Architektur vom Wasser gewähren – für alle Jahrgänge ist das Passende dabei. 

Dass Wasser eine wichtige Rolle im städtischen Kontext spielen kann, zeigen Institutionen wie der BDA Hamburg und die HafenCity Universität. Sie nähern sich der Thematik auf unterschiedliche Art und Weise und führen die Möglichkeiten auf, die sich mit der Wasserlage verbinden. Darüber hinaus stellen sie Fragen, was der Einbezug des Wasserraums für den bebauten Raum bedeuten kann. Hierzu veranstaltet der BDA Hamburg vom 13. bis 21.06. mit dem Projekt Über-Setzen eine Aktionswoche auf der Veddel. Neben einer Ausstellung zum Veddeler Norden werden ein Spaziergang, eine Podiumsdiskussion sowie eine Bootstour zur Veddel mit dem ehemaligen Oberbaudirektor Jörn Walter stattfinden. Der Sprung über die Elbe nach Norden zum Kraftwerk Bille findet anschließend zwischen dem 21. und 30.06. statt. Dort lassen sich die bisherigen Ergebnisse zur Forschung der HCU und dem HALLO: Verein in Rahmen der Ausstellung BILLE-LAND: Wasser als sozialer Raum besichtigen. 

Filmstill Moriyama-San von Beka-&-Lemoine im Abaton
Filmstill Moriyama-San von Beka-&-Lemoine im Abaton

Neben den Wasserflächen wird das Grün in Hamburg zunehmend wichtiger. Diese Freiflächen lassen sich während des Architektur Sommers in den sogenannten Green Walks erleben. Darüber hinaus widmet sich der AIT ArchitekturSalon am 24. und 25.05. der Zukunft der Pflanzen im urbanen Raum. Am 25.05. wird der Film Five Seasons – The Gardens of Piet Oudolf im Abaton aufgeführt.

Vergessene Moderne – mit Fotografien zur indischen Moderne von Felix Krebs
Vergessene Moderne – mit Fotografien zur indischen Moderne von Felix Krebs

Wie kann man Architektur tanzen?

Eine etwas außergewöhnlichere Annäherung an Architektur und die Moderne zeigen die verschiedenen Performances. So setzt sich das junge Künstlerkollektiv dancingbeasts tänzerisch mit dem Körper im Raum auseinander. Die Werke von Jakob Klenke, Bauhaus-Gymnast und Assistent von Oskar Schlemmer, werden von einem Kunstkollektiv an unterschiedlichen Orten zu unterschiedlichen Farben (Indigo, Pink, Orange, Cyan, Grün, Gold) gezeigt. Highlight wird die Veranstaltung Gold sein – Ein Salonkostümfest auf dem ARCHIPEL in Wilhelmsburg.

Ausstellung Transforming the City Nr. 16 | Jade Hochschule
Ausstellung Transforming the City Nr. 16 | Jade Hochschule

Die Bandbreite des diesjährigen Architektur Sommers ist groß und zeigt, dass Architektur auf den unterschiedlichsten Ebenen für jedes Alter ein Diskursobjekt sein kann. Der Junge Architektur Sommer stellt Arbeiten von Schülerinnen und Schülern aus, führt Familien durch den Hafen, lässt Kinder im Lohsepark planen und bauen.

Alle weiteren Informationen sowie das Programm-Booklet und das Magazin gibt es vom 01.05 bis zum 31.07. am Info Point im Bucerius Kunst Forum (tägl. 11-19 Uhr, Do -21 Uhr). Das gesamte Programm des Architektur Sommers gibt es auf der offiziellen Webseite. Als offizieller Medienpartner stellt DA. in den kommenden Wochen weitere Veranstaltungen näher vor. Auf Twitter gibt es regelmäßig Veranstaltungstipps und auf Instagram wird immer wieder live berichtet. Wer sich die Artikel und mehr Informationen bequem ins Postfach wünscht, der kann sich gerne für den neuen Newsletter anmelden. Hier flattern alle zwei Wochen Artikel und Veranstaltungstipps ins Postfach. 

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