Kultur

Kolumne // Die Stadt nach Karstadt

Karstadt und Kaufhof schließen 62 Filialen in Deutschland, vier davon in Hamburg. Dieses Mal trifft es nicht Altona (Ikea ist noch nicht soweit), sondern die Mönckebergstraße, Wandsbek, Bergedorf sowie Poppenbüttel. Dazu kommt die Schließung der beiden Sportfilialen am Hauptbahnhof und in Norderstedt. 

Das sind ganz schön viele Bauten. Dass erste Fragen nach Nachnutzungen bereits gestellt werden, scheint daher naheliegend, schließlich sind solche Orte in Hamburg sehr begehrt. Erste Ideen für den Hauptbahnhof gibt es auch bereits: unten Shoppen, oben Wohnen. Dieses Prinzip ist zurzeit in der Mall-Projektentwicklerszene en vogue, so kann schließlich auch niemand mehr meckern, dass es zu wenig Wohnraum gibt. Die Ladenflächen werden entsprechend an große Unternehmen vergeben, die sich die Mieten leisten können. Beim exklusiven Flexi-Wohnraum mit Panoramafenster, Dachterrasse, kuratierter Küchenplanung und Conciergeservice sieht das Klientel ähnlich aus – eine Win-win Situation also. Also, High Five, Ärmel hochgekrempelt und los geht’s. Machen wir so weiter wie bisher – mit Abriss und Neubau. Für die Einen, nicht alle anderen.

Doch was wäre, wenn wir von dieser vermeintlich innovativen Blaupause absehen und die Konsummeile Mönckebergstraße um andere Nutzungen ergänzen würden? Was wäre, wenn ein Genossenschaftsprojekt, ähnlich dem Gröninger Hof entwickelt würde? Unterkünfte für Wohnungslose wären auch eine dringend benötigte Möglichkeit. Oder kostengünstige Ateliers für Künstlerïnnen, die nicht als Zwischennutzung die Standorte sauber halten, sondern die Nachbarschaft nachhaltig prägen. Vielleicht wäre es aber auch ein Museum, das sich mit unserer Konsumtransformation kritisch auseinandersetzt. 

An den weiteren, nicht so zentral gelegenen Orten könnten die Flächen fürs Coworking oder zu Mikrobüronutzungen bzw. kleinen Gewerbeeinheiten umgewidmet werden. Damit müssten Arbeitnehmerïnnen dann auch nicht mehr jeden Tag ins Zentrum pendeln, sondern hätten mit kürzeren Anfahrtswegen mehr Zeit für die Familie und Hamburg weniger Stau. Vielleicht könnten die Bauten aber auch einfach nur zu einem vertikal nutzbaren öffentlichen Raum umgenutzt werden – mit Gärten und Parks in den einzelnen Etagen.

Was für eine Chance für Hamburg. Genau an diese Stellen können künftig neue Lückenfüller sprießen, die dem festgefahrenen Städtebau eine frische Note geben. Und Hamburg kann endlich mal eine authentische Genius-Loci-Karte spielen.

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